13
Nov
2016
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Digitale Fotografie – technische Grundlagen

Canon hatte photopraline.com und mir zwei tolle Spiegelreflexkameras – EOS 80D und 1 DX Mark II – zum Testen zur Verfügung gestellt. Dazu folgt nun mein Beitrag über die technischen Grundlagen und ein Vergleich beider Kameras. Am Ende dann noch ein kleines Pro & Cons nach unserem 4 wöchigen Test. Bei photopraline.com findet ihr aber bereits einen Artikel über die Kamera 1 DX Mark II im Live Test.

 

  1. Verschlusszeit

Man kann die Belichtung über zwei Einstellungen regeln, die Verschlusszeit und die Blendenöffnung. Der Bildsensor benötigt eine bestimmte Menge an Licht, um ein Bild erfassen zu können. Ist das geschossene Foto zu hell, ist es überbelichtet. Das heißt, es ist zu viel Licht auf den Sensor gefallen. Ist das fertige Foto zu dunkel, ist zu wenig Licht auf den Sensor gefallen.

 

Über die Einstellung TV (Blendenautomatik) könnt ihr die Verschlusszeit einstellen, dabei werden euch Bruchteile einer Sekunde angezeigt 1/60 1/125 1/250 etc. Die Blende stellt sich dazu automatisch ein.

 

Abhängig vom Motiv, das man fotografieren möchte, muss die Belichtungszeit verändert werden. Möchte man zum Beispiel eine schnelle Bewegung auf dem Bild „festhalten“, muss man die richtige Belichtungszeit festlegen.

 

lang                                                                                    kurz

1/2 1/4 1/8 1/15 1/30 1/60 1/125 1/250 1/500 1/1000 1/2000

 

Merke:

  • Mit der Belichtungszeit wird geregelt, wie lange Licht auf den Bildsensor fällt. Kurze Belichtungszeit = dunkles Foto, Lange Belichtungszeit = helles Foto
  • Bei langen Belichtungszeiten mit Stativ fotografieren, da die Fotos sonst verwackelt werden.
  • Die Belichtungszeit ist je nach Motiv für das Ergebnis notwendig (will man zum Beispiel fließendes Wasser eingefroren oder in Bewegung zeigen).
  • Als Faustregel: Ideale Belichtungszeit = Brennweite. Bei einer Brennweite von 85 mm = die richtige Belichtungszeit 1/85. (Aber Achtung! Es kann bei diversen Kameras zu Abweichungen kommen.)

 

  1. Blende

Die Blende ist die zweite Möglichkeit die Belichtung zu steuern. Die Blende lässt sich unter der Einstellung AV (Zeitautomatik) regeln.
Mit der Blende ist die Öffnung im Objektiv gemeint, die ebenfalls regelt, wie viel Licht auf den Sensor fällt. Jetzt könnte man vermuten, dass es ideal wäre, wenn man immer mit der maximal geöffneten Blende (sprich: Offenblende z.B. f/1.8) fotografieren würde. Allerdings hat die Blende noch optische Eigenschaften. Denn die Öffnung der Blende bestimmt unter anderem auch die Schärfentiefe eines Fotos.

Einstellen der richtigen Blende

Nehmen wir als Beispiel ein Portraitfoto. Fotografieren wir die Person und öffnen die Blende maximal, kann es passieren, dass die Augen scharf, allerdings Nasespitze und Ohren unscharf abgebildet sind.

 

große Blende                                                                                               kleine Blende

1.8  2.0  2.2  2.0 2.5  2.8  3.2  3.5  4.0  4.5  5  6  7  8  9  10  12  14  16  18  20  22

 

Merke:

Große Blende f/1.8- f/4.0 Kleine Blende f/4.5- f22
·      kleine Zahl

·      kürzere Belichtungszeit

·      wenig Tiefenschärfe

·      große Zahl

·      längere Belichtungszeit

·      viel Tiefenschärfe

 

 

  1. CMOS & APSC Sensor

Früher hatten Vollformatkameras noch mit einer höheren Megapixelanzahl glänzen können. Mittlerweile hat sich dieser Vorteil innerhalb der letzten Jahre nahezu relativiert. Deswegen gibt es heutzutage fast keinen Unterschied mehr. Der Grund dafür ist, dass die Pixeldichte bei APS-C-Sensoren fortlaufend gestiegen ist.

 

Für APS-C Sensoren spricht hauptsächlich der deutlich günstigere Preis im Vergleich zu den Vollformatkameras. Die APS-C Sensoren haben leider auch ein paar Nachteile. Zum einen ist das Rauschverhalten deutlich ausgeprägter, zum anderen haben sie immer noch eine geringere Pixeldichte. Daher sehen Fotos der Vollformatkameras knackiger aus, die Farben gehen nämlich besser ineinander über. Zusätzlich kommen Details besser heraus und die Bilder wirken noch natürlicher.

 

Die Vollformatkameras sind somit in erster Linie teurer, die Objektive kosten mehr und die Kameras wiegen mehr als die Schwestern aus dem APS-C Segment.

 

  1.  ISO

Der ISO-Wert steht für die Lichtempfindlichkeit des Bildsensors. Kleine Werte sagen aus, dass der Bildsensor wenig lichtempfindlich ist. Je größer die ISO-Zahl, desto empfindlicher ist der Bildsensor. Durch Änderung des ISO-Werts werden Aufnahmen mit sehr wenig Licht möglich.

 

Wenig lichtempfindlich                 sehr lichtempfindlich

100  125  200  250  320  400  500  800 1000 1250 1600 2500 5000 12000 50000 H

 

ISO Einstellungen bei der Canon EOS 80D

 

Eigentlich könnte man jetzt meinen, je empfindlicher, desto besser. Aber eine hohe ISO-Empfindlichkeit hat leider auch Nachteile. Denn mit der Empfindlichkeit (sprich größere ISO-Werte) erhöht sich auch das Bildrauschen. Das Foto wird kontrastärmer, körnig und wirkt unscharf. Das ist leider auch mit der digitalen Nachbearbeitung nur schwer zu korrigieren. Daher: Bei wenig Licht lieber einen niedrigen ISO-Wert wählen und dafür über die Verschlusszeit länger belichten und die Kamera dabei auf ein Stativ setzen.

 

  1. Mehrfeldmessung & Spotmessung

Mehrfeldmessung

Mehrfeldmessung

Die leistungsfähigste und gleichzeitig komplexeste Messmethode  ist die Mehrfeldmessung. Diese Messung erkennt verschiedenste Lichtsituationen und reagiert entsprechend darauf.

Aus den Messwerten der einzelnen Felder ermittelt die Kamera die Belichtungswerte. Berücksichtigt werden nicht nur die Helligkeitswerte (Luminanz), sondern auch die Schärfe und die Farbhelligkeiten.

Dass die Mehrfeldmessung mit dem Autofokus zusammenarbeitet, ist die

die eigentliche Stärke.

 

Spotmessung

Spotmessung

Bei dieser Messmethode wird in einem festgelegten Bereich gemessen. Dafür müsst ihr unter den Messmethoden das Kästchen mit dem einzelnen Punkt in der Mitte auswählen. Die Spotmessung kommt vor allem bei schwierigem Gegenlicht zum Einsatz. z.B. Wenn eine Person im Schatten steht und um sie herum grellstes Tageslicht das Foto überstrahlt. Drückt ihr einfach so ab, wird die Person viel zu dunkel belichtet. Die Spotmessung bewirkt, dass die Person richtig belichtet wird. Es wird also auf den Punkt genau gemessen.

 

 

Der technische Direktvergleich

 

EOS 80D 1 DX Mark II
Typ: Spiegelreflex (DSLR) Typ: Spiegelreflex (DSLR)
Markteinführung: 03 / 2016 Markteinführung: 05 / 2016
UVP: 1.285,00 € UVP: 6.299,00 €
Megapixel: 24,0 Megapixel Megapixel: 20,0 Megapixel
Maximale Bildauflösung: 6.000 x 4.000 Bildpunkte Maximale Bildauflösung: 5.472 x 3.648 Bildpunkte
Sensor: CMOS, 22,3×14,9mm Sensor: CMOS, 36,0×24,0mm
Serienbilder: 7,0 Bilder pro Sekunde Serienbilder: 16,0 Bilder pro Sekunde
Bild-Formate: JPEG, RAW Bild-Formate: JPEG, RAW
Auflösung (max.): 1.920 x 1.080 Bildpunkte Auflösung (max.): 4.096 x 2.160 Bildpunkte
Format: H.264/AVC Format: H.264/AVC, Motion JPEG
Speicherkarte: SD, SDHC, SDXC Speicherkarte: CF I, CF II, CFast
Schnittstellen: HDMI Mini, Kopfhörer, Mikrofon, Netzgerät, NFC, NTSC mit Audio, PAL, USB, WLAN Schnittstellen: Blitzsynchro-Anschluss, GPS, HDMI Mini, LAN, Mikrofon, PAL, Studioblitz Anschluss, Systembuchse, USB
USB Version: 2.0 USB Version: 3.0
Displaygröße: 3,0 Zoll Displaygröße: 3,2 Zoll
Displayauflösung: 1.040.000 Bildpunkte Displayauflösung: 1.620.000 Bildpunkte
ISO Empfindlichkeit: 100 200 250 320 400 500 640 800 1000 1250 1600 2000 2500 3200 4000 5000 6400 12800 16000 25600 ISO Empfindlichkeit: 50 100 125 160 200 250 320 400 500 640 800 1000 1250 1600 2000 2500 3200 4000 5000 6400 8000 10000 12800 25600 51200 102400 204800 409600
Blitzgerät eingebaut: Ja Blitzgerät eingebaut: Nein
Monitor klappbar: Ja Monitor klappbar: Nein
Monitor drehbar: Ja Monitor drehbar: Nein
Größe: 139mm x 105mm x 79mm Größe: 158mm x 168mm x 83mm
Gewicht: 730g (betriebsbereit) Gewicht: 1340g (ohne Akku und Speicherkarte)

 

 

Pro und Contra

 

Abschließend möchte ich noch unsere Liste an Vor- und Nachteilen an die Hand geben. Natürlich vergleichen wir hier zwei völlig unterschiedliche Preisklassen, dennoch sind es Eindrücke die das ganze etwas genauer beschreiben und euch eine Hilfestellung sein dürften.

 

Canon EOS 80D

+ Größe, nicht zu schwer, kann man sehr gut mitnehmen

+ perfekte Einsteigerkamera mit verständlichen Beschreibungen der jeweiligen Programmautomatiken (AV,TV..)

+ sehr gutes Preis-Leistungsverhältnis

+ ausklappbarer & drehbarer Bildschirm

– Anordnung von integriertem Wahlrad mit Steuerkreuz ist unpraktisch, da man mit den Fingern oft ausrutscht, vor allem beim schnellen Scrollen durch die Bilder.

 

Canon 1 DX Mark II

 

+ extrem lichtstark

+ extrem schnell

+ sehr guter Autofokus

+ liefert unter den schwierigsten Verhältnissen absolute Topqualität

+ unglaubliches Bokeh

– hoher Preis der für viele nicht erschwinglich ist

 

In weiteren Artikeln werde ich noch genauer auf die wichtigen Dinge der digitalen Fotografie eingehen. Dort wird dann im Detail erklärt welche Einstellungen für gewisse Aufnahmen wichtig sind.

Abschließend wollen wir uns sehr herzlich bei Canon für das zur Verfügung stellen der beiden Kameras bedanken.

 

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